von
Prof. Dr. Michaela Döll

„Eine hohe Zufuhr an Vitamin E erhöht das Sterberisiko“, „ß-Carotin lässt Risiko für Lungenkrebs bei Rauchern ansteigen“, „Vitamin C geht mit vermehrten DNA-Schäden einher“ – so oder ähnlich lauteten in der Vergangenheit immer wieder „Gefahrenmeldungen“ zur Anwendung von Vitaminen, speziell den antioxidativ wirksamen Vitaminen. Sowohl Therapeuten als auch Verbraucher sind durch diese Meldungen, die sich auf allerlei wissenschaftliche Studien beziehen, natürlich verunsichert. Was bedeuten nun diese Warnungen vor einem „Zuviel“ genau?

Freie Radikale im Übermaß machen alt und krank

Der erhöhte oxidative Stress ist gekennzeichnet durch ein Übermaß an sog. freien Radikalen im Körper. Freie Radikale sind hochaktive Atome bzw. Moleküle, die ein ungepaartes Elektron besitzen, und daher benachbarten Molekülen ein Atom stehlen. Jenes Molekül, das ein Elektron verliert, wird dabei gewöhnlich geschädigt und versucht seinerseits ein Elektron von einem dritten Molekül zu stehlen, wodurch eine Kettenreaktion von schädigenden Prozessen gestartet wird und sog. oxidativer Stress entsteht. Diese aggressiven kleinen Teilchen können sämtliche Biomoleküle (z. B. Fette, Eiweiße, Lipoproteine, Glykoproteine und auch die DNA) angreifen und schädigen („oxidieren“). Die reaktiven „Winzlinge“ entstehen tagtäglich im körpereigenen Stoffwechsel, werden aber auch durch Umweltgifte, UV-Strahlung, Ozon und bestimmte Medikamente freigesetzt. Ebenso entstehen diese äußerst reaktiven Teilchen auch beim Rauchen, unter Alkoholkonsum oder beim Sport oder beim Solariumbesuch. Der dadurch entstehende oxidative Stress wird mitverantwortlich gemacht für die Entstehung einer Reihe von Erkrankungen (wie etwa Herz- und Kreislauferkrankungen, Krebs, Gelenk– und Augenerkrankungen sowie Nervenkrankheiten wie z. B. die Alzheimersche oder die Parkinsonsche Erkrankung (s. Tabelle 1).

Wer viel Sport treibt, gerne mal Alkohol trinkt und einen stressigen Job hat oder seelischen Belastungen ausgesetzt ist hat daher einen erhöhten Bedarf an „Radikalfängern“ (= Antioxidantien). Aber auch Menschen, die viel mit dem Flugzeug unterwegs sind oder rauchen oder Medikamente nehmen (müssen) oder zu wenig Obst und Gemüse verzehren bzw. auch zu viele Fette auf ihrem Tagesplan stehen haben, laufen Gefahr zu wenige Radikalfänger aufzunehmen (Tabelle 2). Die ausreichende Zufuhr von Antioxidantien ist im Alltag – und vor allem bei diesen Einflussgrößen – empfehlenswert, denn diese „Schutzschirmchen“ halten die reaktiven kleinen Teilchen „in Schach“, wirken den durch freie Radikale bedingten Zellschäden entgegen und sorgen für einen effizienten Zellschutz.

Tabelle 1: Erkrankungen (Beispiele), die mit den freien Radikalen in Verbindung stehen

° Atherosklerose und Folgeerkrankungen (z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall)
° Augenerkrankungen (z. B. grauer Star)
° Diabetes mellitus (Spätfolgen)
° Entzündungen (z. B. Magenschleimhaut-, Darmentzündung)
° Gelenkerkrankungen
° Krebs
° Nervenkrankheiten (z. B. Alzheimer Erkrankung, Parkinso, Multiple Sklerose)

Tabelle 2: Personen, die einen erhöhten Bedarf an Antioxidantien haben

° Alkoholkonsumenten
° Chronisch Kranke
° Personen, die Medikamente anwenden
° Personen, die unter Stress oder psychischen Belastungen leiden
° Raucher
° Sonnenanbeter, Solariumbesucher
° Sportler, körperlich arbeitende Personen
° „Umweltgestresste“ (Abgase, Luftschadstoffe, Zahnmetalle etc.)
° Vielflieger

Antioxidantien sind echte „Teamplayer“ – nur als „Single“ können sie gefährlich werden

Antioxidativ wirksame Vitamine (wie z. B. Vitamin C und E, ß-Carotin) „verbrauchen“ sich bei ihrer radikalinaktivierenden Tätigkeit und müssen von anderen Antioxidantien „recycelt“ werden. Wenn nun einzelne, hochdosierte Antioxidantien angewendet werden, bleiben die „verbrauchten“ Moleküle zurück. Diese können nun, wenn sie nicht von anderen gleichzeitig vorhandenen Radikalfängern regeneriert werden, selbst zum freien Radikal werden und damit den oxidativen Stress sogar noch verstärken.

Empfehlenswert ist deshalb eine Mischung aus natürlich vorkommenden Antioxidantien, wie sie z.B. in Obst und Gemüse bzw. auch in deren Extrakten zu finden sind. Diese sind nicht nur weitaus effizienter als die bekannten Vitamine (z. B. C und E) sondern zudem in so vielfältigem Ausmaß vorhanden, dass eine fehlende Regenerierung dieser Biomoleküle und damit die oben beschriebene Verstärkung von oxidativem Stress nahezu ausgeschlossen werden kann. Besonders interessant sind die Polyphenole, die zu Tausenden in Früchten, Gemüse und Gewürzpflanzen stecken und ein hohes antioxidatives Potential aufweisen. Aber auch hier macht es die „Mischung“ : Powerbeeren wie z. B. die Goji- oder die Acaibeere sowie Granatapfel und Gewürzpflanzen wie Ingwer und Kurkuma (Gelbwurz) ergänzen sich in ihrer Wirkung. Sehr effizient im Kampf gegen freie Radikale sind auch die Traubeninhaltsstoffe Resveratrol und OPC – aber auch diese sollten nicht einzeln, sondern am besten im „Team“ mit anderen polyphenolhaltigen Pflanzenextrakten (z. B. Beerenfrüchte, Gemüse, Gewürzpflanzen) angewendet werden. Eine solche Kombination (z. B. „plantazym“ oder „Antioxidant“ oder „Pflanzenkraft 26“) kann nicht nur als „sicher“ gelten sondern bietet darüber hinaus auch noch die weitere Vielfalt der vielen verschiedenen bioaktiven Pflanzeninhaltsstoffe. Idealerweise sollte das Produkt auch einen Hinweis auf die Zellschutzeinheiten (ORAC) geben können: zwischen 3000 und 5000 ORAC-Einheiten werden pro Tag empfohlen. Wenn man sich für Nahrungsergänzungsmittel entscheidet, dann sollte man auf die Verwendung der gesamten Obst- und Gemüsematrix und auf die Standardisierung des ORAC-Wertes achten, denn damit kann man sehr leicht und sicher die empfohlene tägliche Zufuhr an Antioxidantien einhalten.

 

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