Warum die kleinen Körner nach den USA nun auch ganz Europa im Sturm erobern.

Sie sind winzig klein, unscheinbar grau und schwarz, sie schmecken nach fast nichts, waren bei uns bis vor wenigen Jahren absolut unbekannt – und sind doch rasch Liebling und absoluter Renner bei vielen gesundheitsbewussten Menschen geworden: die Chia-Samen des mexikanischen Lippenblütlers „Chia“, der zur Gattung der Salbei-Pflanzen gehört (Salvia hispanica). Bereits für die legendären Maya und die Azteken waren Chia-Samen ein essentielles „Nahrungsergänzungsmittel“, das sie zahlreichen Speisen beimischten und in Mexiko sagt man, dass allein ein einziger Löffel Chia-Samen ausreichen würde, um einen Menschen 24 Stunden lang mit allen Nährstoffen zu versorgen, die sein Organismus benötigt.

Chia-Samen: Kraftpakete im Miniformat.

Die Chia-Pflanze wächst in ihrer natürlichen Art in Mexiko in teils hohen und klimatisch unwirtlichen Lagen. Ebenso wie andere Gewächse, die unter besonderen Bedingungen überleben wollen und können, hat die Entwicklung von Chia dafür gesorgt, dass ihre Samen (die botanisch korrekt übrigens „Klausenfrüchte“ heißen) den konzentriert höchstmöglichen Nährstoffgehalt aufweisen, um ihre Verbreitung und das Überleben der nächsten Pflanzengenerationen zu sichern. Dass Mensch und Tier davon profitieren können, liegt auf der Hand bzw. im Gehalt der Mini-Samen.

Seit die Chia-Samen Ende der 1980er Jahre zunächst von der Sportmedizin in den USA als leistungssteigernde Ernährungszutat entdeckt worden waren, wurde Chia im Laufe der Jahre in den Industrienationen umfangreich erforscht und dann auch in Europa aufgrund ihrer Vitalstoffe zunächst als Tierfutter verwendet. 2009 genehmigte die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) Chia als „neuartige Lebensmittelzutat mit erweiterten Verwendungszwecken“ – ein seltener Umstand, da die EFSA bei solchen Entscheidungen als sehr restriktiv gilt bzw. sein muss, wie viele Inverkehrbringer von sog. NEMs (Nahrungsergänzungsmitteln) wissen.

Was also macht die Chia-Samen zu solch einem begehrten, neuen Lebensmittel?

Zunächst ist der hohe Eiweißgehalt von 21% hervorzuheben. Das ist ein Drittel mehr als etwa Weizen oder Amaranth besitzen. Außerdem tragen Chia-Samen extrem viele essentielle Aminosäuren wie etwa L-Isoleucin, L-Leucin, L-Lysin, L-Methionin oder L-Phenylalanin in sich, die für den Organismus überlebenswichtig sind. Der Körper kann sie allerdings nicht selbst herstellen und sie müssen daher über die Nahrung aufgenommen werden. Darüber hinaus enthält das „Mega-Food“ viermal so viele Ballaststoffe wie etwa Leinsamen, punktet mit viel Eisen, Kalzium, Magnesium, zahlreichen Antioxidantien und schließlich Omega-3-Fettsäuren, die sonst in nennenswerter Form nur in fettreichem Fisch zu finden sind. Zu Vergleich: Allein 100 Gramm Chia-Samen „ersetzen“ ein Kilo Lachs an Omega-3-Gehalt. Besonders für Menschen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren sind Chia-Samen hier ein guter Ersatz als Omega-3-Fettsäuren-Quelle.

Entsprechend ihres Reichtums an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen wird der Verzehr von Chia-Samen heute auch von Ernährungswissenschaftlern und Medizinern als entzündungshemmende Ergänzung empfohlen, um die Gefäße zu schützen, den Blutdruck positiv zu beeinflussen und die allgemeine Leistungsfähigkeit zu fördern. Auch eine positive Wirkung zur Gewichtsreduzierung wird den kleinen Kraftpaketen zugeschrieben…!

Chia-Samen – die kleinen Körner auf einen Blick

Die Hamburger Autorin Barbara Simonsohn schreibt in ihrem Buch „Chia-Power“ (erschienen im Verlag Windpferd, Auflage: 8. Aufl. 2016 (21. März 2014), ISBN-10: 3864100690, ISBN-13: 978-3864100697) u. a.:

  • Chia-Samen bieten die reichhaltigste Quelle an wertvollen Omega-3-Fettäuren.
  • Sie enthalten die bis dato am höchsten gemessene Konzentration an Ballaststoffen. Zwei Teelöffel liefern etwa 7 g.
  • Chia-Samen müssen, im Gegensatz zu Leinöl, nicht im Kühlschrank gelagert werden.
  • Chia-Samen enthalten, anders als etwa Leinsamen, weder für Mensch noch Tier gesundheitlich bedenkliche Stoffe.
  • Chia-Samen müssen nicht vermahlen zu werden, da der Körper sie auch so vollständig aufschließen kann.
  • Chia-Samen sind nahezu geschmacksneutral und intensivieren den Eigengeschmack von Speisen, denen man sie zufügt.
  • Chia-Samen sind aufgrund ihres Reichtums an Antioxidantien drei Jahre lang lagerungsfähig. Sie schützen sich – im Gegensatz zu Fisch- oder Leinöl – durch Oxidation selbst.
  • Chia-Samen sind ein Füllhorn an Mineralien, Fettsäuren, Eiweiß, Vitaminen und Antioxidantien.
  • Chia-Samen bieten das gesamte bekannte Aminosäurenprofil einschließlich der acht essentiellen Aminosäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann.
  • Chia-Samen halten den Blutzuckerspiegel stabil. Durch das Aufquellen der Samen werden Kohlenhydrate langsamer verdaut.
  • Chia-Samen erleichtern das Abnehmen, weil sich durch den Quelleffekt der Magen schneller füllt und man dadurch schneller satt wird. Chia-Samen können Flüssigkeit bis zum Zwölffachen ihres Eigengewichts aufnehmen.
  • Chia-Samen sorgen für eine gute Verdauung und entgiften den Darm.

Chia-Samen kann man in Smoothies und in nahezu jede Speise mischen. In Brot und Gebäck hinein gemischt, wird der glykämische Index gesenkt. Für unterwegs kann man einfach eine Flasche mit Wasser oder Saft nehmen, dieser Chia-Samen beimischen, kräftig schütteln, ein paar Minuten quellen lassen und schon ist man für lange Zeit mit Nährstoffen versorgt – und bleibt satt. Als Ersatz für Eier, nimmt man anstelle eines Eis einen gemahlenen Esslöffel Chia-Samen und drei Esslöffel Wasser. Nach wenigen Minuten Quellzeit kann man die Mischung zu den übrigen Zutaten geben. Wem das alles zu umständlich ist, der kann Chia-Samen natürlich auch in Kapseln kaufen und regelmäßig einnehmen.

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