Die stachelige Gesundheits-Schatzkammer aus Mexiko.

von Katja C. Schmidt, Chefredaktion Gesundheitslounge

Seit vielen Jahren reisen Wissenschaftler durch ganz Südamerika, um bei den sog. indigenen Völkern von deren naturheilkundlichem Wissen zu lernen und die dortige Pflanzenwelt zu erforschen. Sie haben viel zu tun, denn die Naturapotheke Südamerikas ist – ebenso wie jene Asiens – reich bestückt und birgt sicherlich noch viele, uns Europäern und den Nordamerikanern unbekannte Geheimnisse. Ein regelrechtes „Glanzstück“ ist dabei der Nopal-Kaktus, der unter seinen Stachel-bewehrten großen Blättern ein ganzes Arsenal an Wirkstoffen gegen einige unserer meist vertretenen Zivilisationskrankheiten wie etwas Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhten Blutzuckerspiegel bereithält. Auch als Tonikum für die Verdauung und zur Unterstützung beim Abnehmen, bei Erkältungskrankheiten und zur Linderung rheumatischer Beschwerden wird der „Nopalnocheztli“, wie er in Mexiko genannt wird, bereits seit der Zeit der Azteken genutzt.

Vom Suchen und Finden heilender Kräfte – ein kleines Vorwort zum Nopal

Es ist u. a. dem österreichischen Forscher Karl-Heinz Dolinschek zu verdanken, dass der Nopal-Kaktus mittlerweile auch in unseren Breitengraden mehr und mehr beachtet wird. Karl-Heinz und ich kennen uns seit vielen Jahren und so konnte ich immer wieder erleben, wie der studierte Mediziner und passionierte Naturforscher oft wochen- oder gar monatelang in teils entlegenste Gebiete der Welt reist, um mit viel Sachverstand, detektivischem Gespür und einer ordentlichen Portion Abenteuerlust die kostbarsten Wirkstoffe für unsere Gesundheit ausfindig zu machen und zu uns zu bringen. Was ihm vormals mit dem Reishi-Pilz gelang (denn tatsächlich war es Karl-Heinz Dolinschek, der den Reishi nachweislich nach Europa holte, hier nach strengsten wissenschaftlichen Kriterien untersuchen ließ und auf den Markt brachte!), gilt in ähnlicher Form auch für den Nopal-Kaktus und die Qualität, in der wir seine „Ingredienzien“ heute auch bei uns nutzen können. Denn Karl-Heinz, übrigens ein Freund des Dalai Lama, achtet zuallererst nicht auf einen merkantilen Nutzen, sondern er lebt bei und spricht direkt mit den Einheimischen und deren Heilern und Schamanen, trifft Wissenschaftler und namhafte Ärzte des Landes, besucht Universitäten, studiert altes Schriftgut und nimmt Einblick in bereits vorhandene Studien. Zurück in Europa, lässt er seine Schätze abermals umfangreich in Laboren und Universitäten nach allen Regeln und Vorschriften der westlichen Wissenschaft überprüfen, bevor wir in den Genuss seiner Forschungen kommen können. Doch kommen wir endlich zum Nopal-Kaktus….

Der Nopal-Kaktus (zu Deutsch: Feigen-Kaktus) gehört zur Gattung der Opuntien (Opuntia) aus der Familie der Kakteengewächse (Cactaceae). Die strauchartige Pflanze ist von üppigem Wuchs, ihre fleischigen Blätter werden bis zu 65 cm lang und ein ausgewachsener Nopal-Strauch kann bis zu sieben Metern Höhe erreichen. Der wilde Nopal-Kaktus gedeiht in verschiedenen Klimazonen, am besten aber in den Hochebenen Mexikos, wo eine intensive Sonneneinstrahlung herrscht und der Strauch seine Wurzeln tief in vulkanisches Gestein graben kann. Just von dort bezieht Karl-Heinz seinen Nopal.

Die einheimische Bevölkerung nutzt den Nopal, und hier namentlich die Blätter, die liebevoll „Nopalitos“ genannt werden, sowohl als Gemüse als auch als Naturmedizin. Der Nopal ist fester Bestandteil in der täglichen Küche, man trinkt ihn als Tee für ein längeres, gesundes Leben, verwendet den Absud für Kompressen, inhaliert die aufsteigenden Dämpfe, badet darin, bereitet Umschläge und nutzt die zerdrückten Blätter als Brei für Gesichtsmasken zur Pflege und Verjüngung der Haut.

Der Nopal als Naturarznei: Geballte Unterstützung für unseren Metabolismus.

Der Nopal ist reich an Eisen, Kalzium, Kalium, Magnesium, Mangan, Silizium, Aminosäuren, den Vitaminen A, B₁, B₂, B₃ und C, aber auch an Harzen, Taninnen und Karotinen. Er verfügt über einen außerordentlich hohen Anteil an Pektin. Das macht den Nopal so interessant für den Kampf gegen zu hohes Cholesterin. Maria de la Luz Fernandez, Ernährungswissenschaftlerin und Ärztin an der Universität von Arizona, berichtet dazu: „Das Pektin des Nopals vermindert das schädliche LDL-Cholesterin. Das schützende, gute HDL-Cholesterin hingegen wird vermehrt. Damit übertrifft der Nopal des Pektins eines Apfels bei weitem.“ Und sie betont weiter: „Man kann eindeutig sagen, dass der Nopal-Kaktus Herzattacken vorbeugen kann, denen meist Fettstoffwechsel-Störungen vorausgehen.“

Doch das ist nicht alles, was man über den Nopal weiß. Auch im Kampf gegen Diabetes scheint sich der Nopal massiv zu bewähren. Der Diabetes ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit, da diese Zivilisationskrankheit sich Jahr um Jahr mehr verbreitet. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO wird die Zahl der Diabetiker bis 2025 auf 300 Millionen Erkrankungen ansteigen. Während die Zahl der Typ-1-Diabetiker konstant bzw. nur sehr langsam ansteigt, ist die Verbreitung des Typ-2-Diabetes rasant, was den Einfluss von Überernährung, Übergewicht und körperlicher Inaktivität deutlich macht: 80% der Typ-2-Diabetiker sind übergewichtig.

Hier kann der Nopal helfen: Studien belegen, dass der Extrakt des Nopal-Kaktus die Blutzuckerwerte bei Patienten mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 senken kann. Der Erfolg zeigte sich sowohl bei Patienten, die mit Insulin versorgt werden mussten, als auch bei Patienten, die mit einer speziellen Diät lebten. Die positive Wirkung des Nopal auf den Blutzuckerspiegel kann 120 bis 180 Minuten nach der Einnahme festgestellt werden. Der genaue Wirkmechanismus ist in der Medizin zwar heute noch nicht bekannt, aber die Tatsache, dass der Nopal in seinen Blättern das Enzym Glycose-6-Phosphat/Isomerase enthält, erklärt einiges, denn dieses Enzym kann die Blutzuckerwerte senken. Noch darf der Extrakt des Nopal trotz all seiner faszinierenden Wirkungen noch als Heilmittel gegen Diabetes angesehen werden; hier muss weiter geforscht werden. Aber als sinnvolle und vor allem natürliche Unterstützung der ärztlichen Behandlung und die Lebensqualität des Diabetikers verbessernde Maßnahme ist der Nopal in jedem Fall angezeigt.

Darüber hinaus hat sich der Nopal traditionell bei verschiedensten anderen Gesundheitsproblemen bewährt: Durch seinen Reichtum an Vitamin C schützt er vor Erkältungen und Parodontose, er hilft bei Atemwegserkrankungen, weil er Entzündungen hemmt und schleimlösend wirkt. Der Nopal kann auch rheumatische Beschwerden lindern, er hat eine günstige Wirkung auf die Schleimhaut des Magens, er kann die Verdauung fördern und darüber hinaus mithelfen, wenn man Übergewicht abbauen möchte. Alles in allem ist der Nopal-Kaktus also eines der ersten Mittel der Wahl bei vielen Geiseln unserer heutigen Zeit.

Natürlich können wir hier in unseren Breitengraden nicht einfach hinausgehen und uns ein paar Nopal-Blätter pflücken. Stattdessen gibt es Nopal als Extrakte in Kapselform oder Tee in unterschiedlichsten Qualitäten in Apotheke, Reformhaus oder in Internet-Shops von verschiedensten Anbietern zu kaufen. Doch bitte achte bei Deiner Wahl (wie bei allen anderen Nahrungsergänzungen auch) nicht nur auf den Preis, sondern zunächst vor allem auf die Qualität, den Gehalt an Inhaltsstoffen, die Herkunft und die Herstellungsverfahren. Denn was nützt „billig“, wenn im Produkt kaum noch wirksame oder belastete Bestandteile vorhanden sind?

Und zu guter Letzt noch eine kleine Notiz aus dem 19. Jahrhundert:

Natürlich waren Kakteen seit der „Eroberung Südamerikas“ durch die Spanier auch in früheren Jahrhunderten bei uns schon hie und da bekannt. So notierte der deutsche Dichter und Lyriker Friedrich Hebbel (1813 – 1863) einst in seinen Tagebüchern:

„In Hamburg auf dem Stadtdeich kommt eines Morgens zu meinen Wirtsleuten, den Zieses, ein Bauernweib mit Gemüse. Sie erblickt auf dem Fenstersims eine Pflanze, eine Art Kaktus, setzt ihren Korb beiseite und kniet nieder. Dann sagt sie: „Das tu ich jedes Mal, sobald ich diesen Baum sehe, denn ihm verdank‘ ich’s, dass ich wieder gehen und stehen kann; ich war gichtbrüchig wie Lazarus, da riet man mir, den Saft seiner Blätter auszupressen und zu trinken, und davon wurde ich wieder gesund.“

 

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