Oft kämpfen wir uns durch den Alltag. Ohne Rücksicht auf uns selbst, auf unseren Körper, auf unsere Gefühle. Und wenn wir leiden, weil wir uns so unter Druck setzen, gehen wir meist nur noch rücksichtsloser mit uns um. Wenn wir spüren, dass uns etwas fehlt, glauben wir, dass wir uns nur noch nicht genügend angestrengt hätten, um zufrieden zu sein. Wenn uns ein Missgeschick widerfährt, dann tun wir höchst selten das Nahe liegende – uns trösten und Mut zusprechen – sondern reagieren im Gegenteil mit harscher Selbstkritik.
Dabei wäre das Leben so viel angenehmer, wenn wir uns in schwierigen und schmerzhaften Situationen Selbstliebe entgegenbringen könnten. Wenn wir uns, anstatt uns anzuklagen und zu kritisieren, so behandeln würden, wie wir es mit geliebten Menschen tun. Warum geben wir uns nicht die Wärme und Zuneigung, die wir anderen, die wir leiden sehen, zeigen? Weshalb fällt es uns oft so schwer, uns selbst anzunehmen und zu lieben, so wie wir sind?

Warum wir oft so streng zu uns selbst sind

Meist ist der strenge Umgang mit uns selbst die Folge von Erziehung und dessen, was wir früh im Leben erfahren haben. Wir haben die Stimme unserer Eltern als Kontrollinstanz verinnerlicht, und zwar so tief, dass wir schließlich meinen, es handele sich um unsere eigene. Und immer noch hören wir auf diese Stimme, die uns schilt, straft, maßregelt, die uns dazu antreibt, ein anderer, ein »besserer« Mensch zu werden.
Vielen Menschen fällt es schwer, freundlich mit sich selbst zu sein. Besonders dann, wenn sie in einer Umgebung aufwuchsen, in der Werte wie Erfolg und Arbeit wichtig waren und die Überzeugung dominierte, dass man hart zu sich selbst sein muss, wenn man etwas erreichen will. Solche Prägungen können das gesamte Berufs- und Privatleben von Menschen bestimmen. Bei dem Gedanken, sich selbst zu lieben, fühlen sie sich seltsam unbehaglich und fragen sich, ob sie überhaupt das Recht dazu hätten, sich so wichtig zu nehmen.

Wie wir gut für uns selbst sorgen können

Ja, wir sind wichtig! Sehr wichtig sogar! Wir sind der einzige Mensch auf der ganzen Welt, mit dem wir unser gesamtes Leben verbringen werden. Vom Anfang bis zum Ende. Und auch wenn uns Selbstliebe nicht mit der Muttermilch eingeflößt wurde und sie nicht Teil unserer Erziehung war, so können wir diese doch jederzeit lernen. Das ist die frohe Botschaft der Positiven Psychologie und der modernen Hirnforschung. Beginne gleich heute damit! Übe Dich in Selbstfürsorge. Kultiviere Freundlichkeit Dir selbst gegenüber. Behandle Dich mit Wertschätzung. Spreche in freundlichem Tonfall mit Dir selbst. Lobe Dich, wenn etwas gut geklappt hat und sei nachsichtig, wenn es mal so nicht so toll lief. Gut für Dich selbst sorgen zu können, macht Dein Leben entspannter, hilft Dir in schwierigen Zeiten und bewahrt Dich davor, auszubrennen. Menschen, die sich etwas gönnen, sich selbst verwöhnen können, verfügen über weit mehr Ressourcen und Widerstandskräfte als Menschen, die sich immer antreiben und an der kurzen Leine halten. Tue daher Dinge, die Deinen Körper entkrampfen und ihn weich werden lassen, atme sanft ein und aus, lasse die Anspannung los. Alles, was dem Körper gut tut, fördert das Selbstmitgefühl. Verwöhne Dich mit einem heißen Bad, einem Saunagang, einer Massage. Eine sehr einfache und wissenschaftlich bestätigte Formel lautet: Warme Hände, warmes Herz! Wärme lässt die Liebe fließen.
Es hilft zu wissen, was einem gut tut. Das vergessen wir häufig, da wir uns ständig im Funktionsmodus befinden. Halte einmal kurz inne und frage Dich: Was würde ich jetzt gerne machen? Was würde mir so richtig gefallen? Wenn Du Zeit hast, nehme einen Stift zur Hand und erstelle eine Liste von all den Dingen, die Dir dabei in den Sinn kommen. Hänge diese Liste an einen Platz, wo sie gut zu sehen ist, damit Du sie im Alltagstrubel nicht vergisst. Und dann tu es – sei gut zu Dir!

Übung – Selbstliebe entwickeln

Diese kleine Übung kannst Du jederzeit und überall ausführen, wenn Du spürst, dass Du einen Schub an Selbstfürsorge brauchen könntest. Lege hierfür beide Hände auf Dein Herz. Schließe die Augen und spüre die Wärme Deiner Hände, die auf Dein Herz ausstrahlt. Sage Dir dabei innerlich die folgenden Worte: »Ich liebe mich so wie ich bin.« Bleibe einige Zeit in dieser Übung und spüre, wie sich Dein ganzes Wesen mit sanfter Selbstliebe auflädt.

Aus: Der spirituelle Notfallkoffer. Erste Hilfe für die Seele. Von Christa Spannbauer und Katharina Ceming. Trinity Verlag 2015

 

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